Dienstag, 1. Juli 2008

Sowjetmethoden beim Rudelgucken in der Pontstraße

'schlaaand! Deutschland ist im Finale. Trotzdem war der gestrige Abend nicht so spaßig, wie er hätte sein können.

Großen Beitrag zu diesem Unmut leisteten die Geschäftsmethoden des Gastronomiebetriebs, in dem vor dessen Türen wir uns aufhielten.

Leider hatten wir uns am Nachmittag etwas verschätzt und waren zu spät (drei Stunden vor Spielbeginn) in der Pontstraße aufgeschlagen, was zur Folge hatte, dass wir in den präferierten Läden keinen Platz mehr fanden. Nach einigem Suchen fanden wir trotzdem noch Sitzplätze auf der Terrasse vor einem dem Anschein nach schicken Laden. Dass zu dieser Zeit noch soviel Platz frei war, hätte unseren Sowjetsinn aktivieren sollen.

Doch zunächst lief der Abend ganz gut. Es gab Cocktails für 4 Euro, denn es war Happy-Hour. Die ging übrigens den ganzen Abend lang, wie wir vom Kellner dann nach einigen Verständigungsschwierigkeiten erfahren konnten.

Die erste Runde hatten wir schnell bestellt, dann ging es auch schon los mit der Sowjetstimmung. Nach dem Ranbringen der Getränke entleerte der Kellner den flüssigen Inhalt des Tablett über meine Klamotten. Okay, kann passieren, war aber nicht der einziger Zwischenfall, deshalb hier erwähnt.

Einige Zeit verstrich, das Spiel kam näher. Den nächsten Tiefpunkt erreichte die Stimmung bei der nächsten Bestellung. Der Long Island Ice Tea war ganz lecker gewesen (muss man ihnen zugestehen), deshalb musste der nächste Cocktail her. Die Kellnerin gab uns die Auskunft: "Cocktails gibt es nicht mehr, tut mir leid. Es ist zu viel los." Zu viel los, soso, hat sicherlich nichts damit zu tun, dass man aus einer Flasche Bier wesentlich mehr Reingewinn zieht, als aus einem Cocktail zur Happy Hour (die wie gesagt den ganzen Abend gehen sollte). Okay, danke, wir überlegen nochmal, was wir trinken.

Also erstmal gemeinschaftlich aufregen, dass der Cocktailquell versiegt ist, kurz überlegen, ja gut, dann halt Weizenbier. Die Kellnerin wieder rangerufen (kam nicht von selbst nachfragen), Bier bestellt. Nach ein Paar Minuten kommen die kalten Gläser, der Inhalt war leider warm. "Weizen: drei fünfzisch, Cola: zwei fünfzisch." Huh, hat uns der Cocktail so zugesetzt? Nein, nach kurzer Besprechung war uns klar, alle Preise sind ohne jegliche Vorankündigung auf die nächsten fünfzig Cent aufgerundet worden. Waren beim Weizen zehn Cent, bei der Cola dreißig.

Jetzt wäre das Maß eigentlich voll gewesen. Wer würde sich das an einem normalen Abend so gefallen lassen? Aber die Geschäftsidee der Besitzer geht auf: die Pontstraße steht voll mit Fans, die den Platz, den man aus Protest verlassen hätte, mit Freude sofort wieder besetzt hätten. Also trinkt man das verteuerte, warme Bier und verzichtet auf die Cocktails.

Um die schwer überlastete Belegung zu schonen entschließen wir uns, die dringend benötigte Pizza bei einer anliegenden Fressbude zu beziehen, stand ja auch nicht auf der Karte. Den Umständen entsprechend lang müssen wir anstehen, dann gibt's endlich die Pizza. Zurück auf die Sitze, der Kellner möchte keinen Ärger vom Chef kriegen und verweist uns sofort wieder der Sitzgelegenheiten, Pizza stände doch auch bei ihnen auf der Karte, die könnten wir ja jetzt nicht hier essen.

Den Laden sollte man sich also auf jeden Fall mal vormerken zum Nichtmehrhingehen. Nach dem Spiel waren wir dann übrigens zum richtigen Feiern noch im Paella, da waren leckere Cocktails für vier Euro zu haben, kalt.

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